Buddhistische Texte

Die buddhistischen Texte stammen aus dem „Brevier buddhistischer Weisheit“ unter dem Titel „Die Lehren Buddhas“, das Jack Kornfield herausgegeben hat und das 2010 in München erschienen ist.

In besonderer Weise bringen sie zur Sprache, dass Gott nicht ist, wie alles andre ist, und dass der Mensch, bei allem Eigensein, letztlich aus dem grundlosen Grund lebt, wenn er wagt, sich in ihn hineinfallen zu lassen.

 

 

 

 

Buddhistische Texte   Bibel

Achtsamkeit

Nonnenlieder

 

Lk 12,35-40

 

Freie Frau,
sei frei wie der Mond,
von dem sich der Schatten der Erde löst.
Aufgeschlossen, unverpflichtet erfreue dich deiner Talente.

Werde deine Neigung los,
dich über, unter oder neben andere zu stellen.
Eine Nonne, geistesgegenwärtig und ehrlich,
wird den Frieden finden,
der erfüllt, ohne Überdruss zu bereiten.

Sei voll guter Dinge wie der Mond am fünfzehnten Tag.
Von Weisheit vollkommen gesättigt,
zerreiße die große Dunkelheit.

Als Nonne,
diszipliniert und selbstbeherrscht,
übte ich Achtsamkeit
und fand wie ein Pfeil zum Frieden.
Der Aufruhr der Elemente legte sich in mir.
Frohsinn entstand.

Die Jagd nach dem Vergnügen ist eingestellt,
die Finsternis besiegt.
Ja, Tod, auch du bist überwunden.

Theri-Gatha
(aus Kornfield, die Lehren Buddhas, München 2010)

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35Legt euren Gürtel nicht ab,
und lasst eure Lampen brennen!
36Seid wie Menschen,
die auf die Rückkehr ihres Herrn warten,
der auf einer Hochzeit ist,
und die ihm öffnen,
sobald er kommt und anklopft.
37Selig die Knechte,
die der Herr wach findet, wenn er kommt.
Amen, ich sage euch:
Er wird sich gürten,
sie am Tisch Platz nehmen lassen
und sie der Reihe nach bedienen.
38Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach –
selig sind sie.
39Bedenkt:
Wenn der Herr des Hauses wüsste,
in welcher Stunde der Dieb kommt,
so würde er verhindern,
dass man in sein Haus einbricht.
40Haltet auch ihr euch bereit!
Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde,
in der ihr es nicht erwartet.

gelassene Konzentration

Das Gleichnis von der Laute

 

Röm 8, 23.31b-32.35-39

 

Einmal weilte der Erhabene in der Nähe von Rajagaha auf dem Geierberg. Zu jener Zeit dachte der ehrwürdige Sona, der sich ganz alleine in den tiefen Wald zurückgezogen hatte, bei sich »Ich bin einer der eifrigsten Jünger des Erhabenen. Trotzdem habe ich noch keine geistige Befreiung gefunden.« Als nun der Erhabene diese Gedanken des ehrwürdigen Sona erkannte, verließ er den Geierberg und erschien im tiefen Wald vor dem ehrwürdigen Sona so schnell, wie ein starker Mann gerade seinen gestreckten Arm hätte beugen oder seinen gebeugten Arm hätte strecken können. Und er sagte zu dem ehrwürdigen Sona: »Sona, dachtest du nicht bei dir: ‚Ich bin einer der eifrigsten Jünger des Erhabenen. Trotzdem habe ich noch keine geistige Befreiung gefunden?«
»Ja, Herr.«
»Sag einmal, Sona, hast du nicht früher einmal Laute gespielt?
»Ja, Herr«
»Und klang deine Laute gut, und ließ sie sich leicht spielen, Sona, wenn die Saiten zu straff gespannt waren?«
»O nein, Herr.«
»Und klang deine Laute gut, und ließ sie sich leicht spielen, wenn die Saiten zu schlaff waren?«
»O nein, Herr, keineswegs.«
»Wenn sie aber richtig gestimmt war, Sona, und die Saiten weder zu straff noch zu schlaff waren, hatte dann deine Laute nicht einen wunderbaren Klang und war sie nicht leicht zu spielen?«
»O ja, Herr, gewiss.«
»Ähnlich, Sona, führt zu viel Anspannung der Willenskraft zu Ruhelosigkeit und zu wenig Anspannung zu Trägheit. Deshalb halte deine Kräfte im Gleichgewicht, sorge für ein Ebenmaß deiner Fähigkeiten und strebe so nach deinem Ziel.«
»Ja, o Herr«, antwortete der ehrwürdige Sona demütig.
Von da an bemühte er sich darum, seine Kräfte im Gleichgewicht zu halten, und sorgte für ein Ebenmaß seiner Fähigkeiten. Und der ehrwürdige Sona, der unermüdlich, inbrünstig und entschlossen, allein und zurückgezogen lebte, erlangte alsbald durch unmittelbare eigene Erfahrung das unvergleichliche Ziel des tugendhaften Lebens.

Nach dem Anguttara Nikaya

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23Obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben,
seufzen wir in unserem Herzen und warten darauf, dass wir mit der Erlösung unseres Leibes als Söhne und Töchter offenbar werden.
31bIst aber Gott für uns, wer ist dann gegen uns?
32Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?
35Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert?
36In der Schrift steht: Um deinetwillen sind wir den ganzen Tag dem Tod ausgesetzt; wir werden behandelt wie Schafe, die man zum Schlachten bestimmt hat.
37Doch all das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat. 38Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten 39der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

Alles annehmen

Wer durchs Feuer geht

 

Mt 5, 43 - 48

 

Schüler des Weges, seht euch an. Wer hier und jetzt zuhört, ist derjenige, der »durchs Feuer geht, ohne verbrannt zu werden, der ins Wasser hinabtaucht, ohne zu ertrinken, und der in den drei tiefsten Höllen unterwegs ist, als wäre er auf einem Jahrmarkt, der die Welt der hungrigen Geister und stummen Geschöpfe betritt, ohne von ihnen belästigt zu werden.«
Warum ist das so? Weil er nichts verachtet. Wenn ihr das Heilige verehrt und das Weltliche verachtet, werdet ihr weiter im Meer von Geburt und Tod umhertreiben. Die Leidenschaften entstehen im Herzen. Wenn das Herz zufrieden ist, wo können dann noch Leidenschaften sein? Hört auf, euch selbst durch ständiges Unterscheiden zu erschöpfen, und ganz natürlich, wie von selbst, werdet ihr den Weg finden.

Rinzai roku

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43Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.
44Ich aber sage euch:
Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen,
45damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet;
denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten,
und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.
46Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben,
welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten?
Tun das nicht auch die Zöllner?
47Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden?
48Ihr sollt also vollkommen sein,
wie es auch euer himmlischer Vater ist.

Das Licht der Wahrheit

Seid euch selbst ein Licht

 

Joh 18, 33-38

 

Deshalb, Ananda, seid euch selbst ein Licht, seid euch selbst eine Zuflucht. Nehmt nicht zu irgend etwas anderem Zuflucht. Haltet euch an die Wahrheit, die euch leuchtet. Nehmt zur Wahrheit Zuflucht. Sucht in niemand anderem eure Rettung als in euch selbst. Und diejenigen, Ananda, die jetzt oder nach meinem Tod dem Licht in sich selbst folgen und in nichts Äußerem ihre Rettung suchen, sondern an der Wahrheit als ihrem Licht festhalten und zur Wahrheit ihre Zuflucht nehmen und die in niemand anderem Rettung suchen als in sich selbst — sie sind es, die die höchste Höhe erreichen können.
Aber sie müssen beharrlich sein.

Mahaparinibbana Sutta

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33Pilatus ließ Jesus rufen und fragte ihn:
Bist du der König der Juden?
34Jesus antwortete:
Sagst du das von dir aus, oder haben es dir andere über mich gesagt?
35Pilatus entgegnete:
Bin ich denn ein Jude?
Dein eigenes Volk und die Hohenpriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan?
36Jesus antwortete:
Mein Königtum ist nicht von dieser Welt.
Wenn es von dieser Welt wäre,
würden meine Leute kämpfen,
damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde.
Aber mein Königtum ist nicht von hier.
37Pilatus sagte zu ihm:
Also bist du doch ein König?
Jesus antwortete:
Du sagst es, ich bin ein König.
Ich bin dazu geboren
und dazu in die Welt gekommen,
dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege.
Jeder, der aus der Wahrheit ist,
hört auf meine Stimme.
38Pilatus sagte zu ihm: Was ist Wahrheit?
Nachdem er das gesagt hatte, ging er wieder zu den Juden hinaus.

Grundlosigkeit

Leerheit

 

2 Kor 12, 2.5-10

 

Stell dir einmal vor, es wären einem Menschen mit wachen Augen die vielen Wasserblasen im Ganges aufgefallen und er hätte sie genau beobachtet, und nach seiner genauen Untersuchung wären sie ihm leer, unwirklich und wesenlos vorgekommen.
Genauso fallen einem Mönch alle körperlichen Empfindungen, Gefühle, Wahrnehmungen, Geistregungen und Bewusstseinszustände auf – ob sie nun der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft angehören, weit entfernt sind oder nah. Und er beobachtet und untersucht sie genau; und nach seiner sorgfältigen Überprüfung erscheinen sie ihm leer, unwirklich und wesenlos.

Majjhima Nikaya

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2Ich kenne jemand, einen Diener Christi, der vor vierzehn Jahren bis in den dritten Himmel entrückt wurde. 5Diesen Mann will ich rühmen; was mich selbst angeht, will ich mich nicht rühmen, höchstens meiner Schwachheit. 6Wenn ich mich dennoch rühmen wollte, wäre ich zwar kein Narr, sondern würde die Wahrheit sagen. Aber ich verzichte darauf; denn jeder soll mich nur nach dem beurteilen, was er an mir sieht oder aus meinem Mund hört.
7Damit ich mich wegen der einzigartigen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen: ein Bote Satans, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe.
8Dreimal habe ich den Herrn angefleht, dass dieser Bote Satans von mir ablasse.
9Er aber antwortete mir:
Meine Gnade genügt dir;
denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit.
Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen,
damit die Kraft Christi auf mich herabkommt.
10Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Misshandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage;
denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.

Hingabe

Die wahre Natur

 

Lk, 23, 33- 43

 

Eure wahre Natur geht niemals verloren, auch nicht in Augenblicken der Täuschung, noch wird sie im Augenblick der Erleuchtung gewonnen. Es ist die Natur des Soseins, in der es weder Täuschung noch rechtes Verständnis gibt. Sie erfüllt die Leere und ist von Anbeginn eins mit dem Wesen des einen Geistes.
Die Leere ist grundsätzlich ohne räumliche Dimensionen, ohne Leidenschaften, Tätigkeiten, Täuschungen oder rechtes Verständnis. Diese Leere enthält nicht die geringste Spur von irgend etwas, das räumlich wahrnehmbar ist. Sie hängt von nichts ab und ist an nichts gebunden. Sie ist alles durchdringende, makellose Schönheit.
Dieser reine Geist, der Ursprung von allem, erstrahlt ohne Unterlass im Glanz seiner eigenen Vollkommenheit und beleuchtet alles. Aber die Menschen auf der Welt werden sich dessen nicht bewusst, weil sie nur das für Geist halten, was sieht, hört, fühlt und versteht. Geblendet von ihrem eigenen Sehen, Hören, Fühlen und Verstehen, nehmen sie das geistige Strahlen des Urgrunds nicht wahr. Würden sie nur einmal ihr begriffliches Denken ablegen, würde sich dieser Urgrund offenbaren wie die Sonne, die in der Leere aufsteigt und ohne Hindernisse oder Schranken das ganze Weltall erleuchtet. Wenn ihr Schüler des Weges also versucht, durch Sehen, Hören, Fühlen und Verstehen Fortschritte zu machen, dann werden euch, wenn ihr von euren Wahrnehmungen abgeschnitten seid, alle Türen verschlossen sein, die zum Geist führen, und ihr findet nirgends Eintritt.

Seid euch nur bewusst, dass der wahre Geist, auch wenn er in diesen Wahrnehmungen zum Ausdruck kommt, weder ein Teil von ihnen noch getrennt von ihnen ist. Ihr dürft aus diesen Wahrnehmungen keine Schlüsse ziehen und kein begriffliches Denken darauf aufbauen. Doch genauso wenig solltet ihr den einen Geist außerhalb von ihnen suchen oder euch auf eurer Suche nach dem Dharma von ihnen lossagen. Haltet sie nicht fest, gebt sie nicht auf, verweilt nicht darin, jagt ihnen nicht nach. Über und unter euch und um euch herum ist alles aus sich selbst heraus da, denn es gibt nichts, was außerhalb des Buddhageistes ist.

Huang-po: der Geist des Zen

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33Auf der Schädelhöhe kreuzigten sie Jesus und die Verbrecher, den einen rechts von ihm, den andern links.
34aJesus aber betete: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.
35Die Leute standen dabei und schauten zu; auch die führenden Männer des Volkes verlachten ihn und sagten: Anderen hat er geholfen, nun soll er sich selbst helfen, wenn er der erwählte Messias Gottes ist. 36Auch die Soldaten verspotteten ihn; sie traten vor ihn hin, reichten ihm Essig 37und sagten: Wenn du der König der Juden bist, dann hilf dir selbst!
38Über ihm war eine Tafel angebracht; auf ihr stand: Das ist der König der Juden.
39Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn: Bist du denn nicht der Messias? Dann hilf dir selbst und auch uns! 40Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen. 41Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan.
42Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst. 43Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.
44Es war um die sechste Stunde als eine große Finsternis über das ganze Land hereinbrach. Sie dauerte bis zur neunten Stunde. 46Da rief Jesus laut: Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist. Nach diesen Worten hauchte er den Geist aus.

nicht «Ding», sondern Beziehung

Die fünf Anhäufungen*

 

2 Kor 4, 6-11.17-18; 5, 17

 

Der gelehrige Schüler der Edlen hält die körperliche Gestalt nicht für sein Selbst, er geht nicht davon aus, dass er aus einer materiellen Form besteht oder dass sich ein Körper im Selbst oder das Selbst in einem Körper befindet. Und ebenso wenig betrachtet er Gefühle, Wahrnehmungen, Willensregungen oder Bewusstsein auf irgendeine dieser Weisen.
Er sieht alle die fünf Anhäufungen* als das an, was sie wirklich sind, nämlich als vergänglich, leidvoll, uneigentlich, verworren und erbärmlich. Er baut nicht auf sie, versucht sich nicht an ihnen festzuhalten oder sie zu bestimmen als »ich selbst«, »mein Selbst« — und dies führt mit der Zeit zu seinem Wohlbefinden und Glück.
Der gelehrige Schüler der Edlen betrachtet die körperliche Gestalt und so weiter folgendermaßen: »Dies gehört mir nicht, dies bin ich nicht, dies ist nicht mein Selbst« Deshalb verfällt er nicht in Kummer, Gram und Sorge, deshalb jammert und verzweifelt er nicht, wenn sich die körperliche Gestalt und so weiter verändert und zu etwas anderem wird.

Nach dem Samyutta Nikaya

* Mit den fünf »Anhäufungen« (Sanskrit skanhas) werden die fünf grundlegenden Bestandteile des Seins bezeichnet: körperliche Form, Gefühle, Wahrnehmung, Willensregungen (oder geistige Funktionen) und Bewusstsein.

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Denn Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten!, er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi.
Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt.
Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet. Wohin wir auch kommen, immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird. Denn immer werden wir, obgleich wir leben, um Jesu willen dem Tod ausgeliefert, damit auch das Leben Jesu an unserem sterblichen Fleisch offenbar wird.
So werden wir nicht müde; wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, der innere wird Tag für Tag erneuert. Denn die kleine Last unserer gegenwärtigen Not schafft uns in maßlosem Übermaß ein ewiges Gewicht an Herrlichkeit, uns, die wir nicht auf das Sichtbare starren, sondern nach dem Unsichtbaren ausblicken; denn das Sichtbare ist vergänglich, das Unsichtbare ist ewig.
Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden.

Nichts festhalten

Aus dem Tibetanischen Totenbuch

 

Joh 20, 11-18

 

Erinnere dich an das klare Licht, das reine, klare, weiße Licht, von dem alles im Universum abstammt, zu dem alles im Universum zurückkehrt, die ursprüngliche Natur deines eigenen Geistes. Der ursprüngliche Zustand des nicht-manifestierten Universums. Ergib dich dem klaren Licht, vertraue ihm, verschmelze mit ihm. Es ist deine eigene wahre Natur, dein Zuhause. Die Visionen, die du hast, sind Ausgeburten deines eigenen Bewusstseins; die Formen, die sie annehmen, werden durch deine vergangenen Neigungen, deine früheren Wünsche und Ängste, dein vergangenes Karma bestimmt. Diese Visionen existieren nur in deinem Bewusstsein. Ganz gleich, wie erschreckend sie auch sein mögen, sie können dich nicht verletzen. Sieh einfach zu, wie sie dein Bewusstsein passieren. Sie werden mit der Zeit vergehen. Es besteht keine Notwendigkeit, sich in sie zu verwickeln. Es besteht keine Notwendigkeit, sich von schönen Visionen hinreißen zu lassen; keine Notwendigkeit, sich über grauenvolle zu entsetzen; keine Notwendigkeit, sich von sexuellen verführen oder erregen zu lassen. Es besteht keine Notwendigkeit, sich überhaupt von irgendeiner dieser Visionen in den Bann ziehen zu lassen.
Lass sie einfach vergehen. Wenn du dich auf diese Visionen einlässt, musst du möglicherweise lange Zeit verwirrt umherirren. Lass sie einfach dein Bewusstsein passieren, wie Wolken, die am blauen Himmel ziehen. Tatsächlich haben sie nicht mehr Wirklichkeitsgehalt als diese. Erinnere dich an diese Belehrungen, erinnere dich an das klare Licht, das reine, hell leuchtende, weiße Licht deiner eigenen Natur; es ist unsterblich. Wenn du die Visionen genauer betrachtest, kannst du erkennen, dass sie aus demselben reinen, klaren, weißen Licht bestehen wie alles andere im Universum auch.
Ganz gleich, wie weit oder wohin es dich verschlägt, das Licht ist nur einen Sekundenbruchteil, einen halben Atemzug entfernt; es ist niemals zu spät, das wahre Licht zu erkennen.

Bardo Thödol

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Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein.
Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten.
Die Engel sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat.
Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war.
Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen.
Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister.
Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.
Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte.

 

Hier noch einmal die beiden Links zur Gestaltung einer Schriftbetrachtung: